Als Selbstständige oder Freiberufler hast du die freie Wahl zwischen GKV und PKV — unabhängig vom Einkommen. Klingt gut, birgt aber Fallstricke: Kein Zuschuss, keine automatische Familienversicherung, und bei Einkommenseinbruch keine Beitragsreduktion. Wir zeigen dir, was wirklich passt.
Wie bist du aktuell versichert?
Freiwillig gesetzlich, privat oder Familienversichert? Das ist der Startpunkt.
Selbstständige haben es bei der KV-Wahl schwerer als Angestellte, weil sie den vollen Beitrag tragen. Hier drei realistische Einkommensszenarien im Direktvergleich (Werte 2026, Alter 35, ledig, gesund).
| Jahresgewinn | Freiwillige GKV (mit KTG) | PKV Standard-Tarif | Differenz p.a. |
|---|---|---|---|
| 40.000 € | ~ 530 € / Mon. | ~ 380 € / Mon. | –1.800 € |
| 60.000 € | ~ 795 € / Mon. | ~ 380 € / Mon. | –4.980 € |
| 90.000 € | ~ 900 € / Mon. (Höchstbeitrag) | ~ 380 € / Mon. | –6.240 € |
| 150.000 € | ~ 900 € / Mon. (Höchstbeitrag) | ~ 380 € / Mon. | –6.240 € |
Achtung: Die PKV-Beiträge steigen mit dem Alter (durchschnittlich 2-3 % pro Jahr). Was jung günstig aussieht, wird im Alter zur Belastung. Mit Beitragsentlastungs-Bausteinen und einem klug gewählten Tarif ist das aber planbar. Wir kalkulieren den 30-Jahres-Verlauf immer im Erstgespräch.
Angestellte bekommen 6 Wochen Lohn vom Arbeitgeber. Du als Selbstständiger bekommst — nichts. Fällst du krankheitsbedingt aus, läuft dein Konto in den Miesen. Krankentagegeld ist der einzige Weg, das aufzufangen.
Ab dem 15. oder 22. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Je später der Beginn, desto günstiger der Beitrag — aber du musst die ersten Wochen aus Rücklagen überbrücken.
Frei wählbar bis ~ 80 % deines aktuellen Netto-Einkommens. Faustregel: mindestens deine Fixkosten (Miete, Krankenversicherung, Basis-Lebenshaltung) müssen abgedeckt sein.
In der Regel bis zur Berufsunfähigkeit (§172 VVG) oder bis maximal 78 Wochen. Danach übernimmt idealerweise deine BU-Versicherung.
Typisch 15-40 € pro Monat für 100 € Tagegeld ab Tag 22 (Alter 35, gesund). Bei 150 € Tagegeld ab Tag 15 eher 60-90 €. Deutlich günstiger als der reale Ausfall wäre.
Als Selbstständiger kannst du praktisch nur unter drei Bedingungen in die GKV zurück: du wirst wieder abhängig beschäftigt und unter der JAEG bezahlt, du bist unter 55, und du erfüllst zusätzlich die Vorversicherungszeit. Wer über 55 ist, hat quasi keine Chance mehr zurück. Deshalb: PKV nur wählen, wenn du langfristig selbstständig bleibst und dir die Kosten auch im Alter leisten kannst.
Marius war 5 Jahre bei einer Agentur angestellt, freiwillig gesetzlich versichert. Beitrag: rund 570 €. 2026 hat er sich selbstständig gemacht — Tagessatz 800 €, Gewinnprognose 95.000 € im ersten Jahr.
Die Rechnung: Freiwillige GKV bei 95.000 € Gewinn = 900 € (Höchstbeitrag) plus 3,4 % Zusatzbeitrag = rund 930 € / Monat. PKV im Standardtarif inkl. Krankentagegeld ab Tag 22 (Höhe 200 € / Tag) = rund 440 € / Monat.
Ersparnis: knapp 5.900 € pro Jahr — bei besseren Leistungen (Chefarzt, Einbettzimmer, 3,5× GOÄ). Wir haben zusätzlich einen Beitragsentlastungstarif mit Wirkung ab 65 aufgesetzt, damit die Rentenphase auch stabil bleibt. Steuerlich sind alle Beiträge als Sonderausgaben absetzbar.
Was ist, wenn dein Auftragseinbruch dauerhaft ist und du den regulären PKV-Beitrag nicht mehr stemmen kannst? Dafür gibt es den gesetzlich vorgeschriebenen Basistarif.
Der Basistarif ist ein Auffangnetz, das jeder deutsche PKV-Anbieter anbieten muss. Das Leistungsniveau entspricht ungefähr dem der gesetzlichen Krankenversicherung, der Beitrag ist gesetzlich gedeckelt: 2026 maximal etwa 843 € pro Monat.
Wichtig ist die Härtefallregel: Wenn du nachweisen kannst, dass du dir den vollen Basistarif nicht leisten kannst (z.B. weil du unter dem Existenzminimum liegst), halbiert sich der Beitrag automatisch. In extremen Notlagen zahlt sogar das Jobcenter den Basistarif.
Der Wechsel in den Basistarif erfolgt bei deinem bestehenden Versicherer über den §204 VVG — ohne neue Gesundheitsprüfung. Deine Altersrückstellungen bleiben erhalten. Wenn sich die Auftragslage wieder verbessert, kannst du in den regulären Tarif zurück wechseln.
Ja — Selbstständige und Freiberufler dürfen jederzeit in die PKV wechseln, unabhängig vom Einkommen. Die JAEG (77.400 € 2026) gilt nur für Angestellte. Voraussetzung ist ein positives Ergebnis der Gesundheitsprüfung. Wichtig: der Wechsel gilt langfristig — Rückkehr in die GKV ist ab 55 praktisch unmöglich.
Anders als in der GKV bleibt der PKV-Beitrag stabil — er ist nicht einkommensabhängig. Wenn dein Einkommen dauerhaft sinkt, gibt es aber Auswege: Tarifwechsel per §204 VVG in einen günstigeren Tarif oder — als Notlösung — der Basistarif (max. 843 € / Monat, in Härtefällen halbiert).
Ja, dringend. Als Selbstständiger hast du keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Fällt dein Einkommen aus, musst du selbst dafür sorgen. Ein KTG-Baustein ab Tag 15 oder 22 zahlt einen festen Tagessatz (typisch 70-80 % deines Nettoeinkommens). Ohne KTG ist die PKV für Selbstständige unvollständig.
Kommt aufs Einkommen an. Freiwillige GKV: rund 16 % des Einkommens (Min ~ 220 €, Max ~ 900 €). PKV startet für junge Gesunde oft bei 250-350 €. Faustregel: ab 60.000 € Jahresgewinn ist die PKV meist günstiger — bei deutlich besseren Leistungen.
Gar nicht — Selbstständige zahlen 100 % selbst. Das ist der zentrale Nachteil gegenüber Angestellten. Steuerlich sind die PKV-Beiträge aber komplett als Sonderausgaben absetzbar, was bei hohen Einkommen einen signifikanten Netto-Vorteil bringt.
Der Basistarif ist ein gesetzlich geregelter PKV-Auffangtarif. Jeder Versicherer muss ihn anbieten, das Leistungsniveau entspricht der GKV, Höchstbeitrag ~ 843 € / Monat. Für Selbstständige in wirtschaftlichen Notlagen die Rettungsleine — vermeidet den Verlust der Krankenversicherung.
Ja — die kostenlose Familienversicherung wie in der GKV gibt es in der PKV nicht. Ehepartner und Kinder brauchen jeweils einen eigenen Vertrag. Kinderbeiträge liegen typisch bei 60-120 € / Monat, Ehepartner je nach Alter 200-400 €. Vor einem PKV-Wechsel als Familie rechnerisch mitdenken.
Der Wechsel in die PKV ist eine Entscheidung für 30 Jahre. Wir rechnen mit dir durch, wie sich dein Beitrag im Alter entwickelt, welches KTG wirklich passt und wann ein Basistarif-Szenario greifen würde. Kostenlos, unabhängig, ohne Verkaufsdruck.
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